Wissen

Insekten kaufen: Ratgeber für Einsteiger:innen

Wer sich zum ersten Mal ein Insekt oder ein anderes wirbelloses Tier kauft, steht vor vielen Fragen: Wo kaufe ich? Woran erkenne ich einen seriösen Anbieter? Was muss ich vor dem Kauf vorbereiten? Welche rechtlichen Aspekte gibt es? Dieser Ratgeber führt Schritt für Schritt durch den Kaufprozess, vom Check vor dem Kauf bis zum Empfang des Tieres.


Vor dem Kauf klären

Bevor du ein Tier kaufst, solltest du mehrere Dinge geklärt haben. Ein Fehlkauf kostet Geld, Zeit und im schlimmsten Fall das Leben des Tieres.

PrüfpunktWas du klären solltest
ArtWissenschaftlicher Name und ggf. Lokalform bekannt; z.B. in unserem Artenlexikon gelesen
SetupTerrarium steht, belüftet, ausbruchsicher; Temperatur und Luftfeuchte stimmen
FutterFutterpflanzen oder Futtertiere sind dauerhaft verfügbar
HaltungsformEinzel- oder Gruppenhaltung geklärt; bei Einzelhaltung brauchst du pro Tier ein eigenes Terrarium
Größe und LebenserwartungAdultgröße und Lebensdauer bekannt, Setup ist darauf ausgerichtet
VermehrungWenn sich die Art parthenogenetisch fortpflanzt oder männliche und weibliche Tiere zusammenleben sollen, solltest du dir bewusst sein, dass es zu einem exponentiellen Wachstum der Population kommen kann, wenn du nicht regelmäßig Eier absammelst etc.
SchwierigkeitSchwierigkeitsgrad im Artenlexikon geprüft; Anfänger:innen starten besser mit pflegeleichteren Arten
Wichtig: Kaufe kein Tier, bevor das Terrarium fertig eingerichtet ist und das Klima stabil stimmt. Ein Tier in einem nicht vorbereiteten Becken ist ein häufiger und vermeidbarer Fehler.

Wo kann man Insekten kaufen?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, Insekten und wirbellose Tiere zu erwerben. Jede hat ihre Vor- und Nachteile.

AnbieterVorteileNachteileWorauf achten?
Online-MarktplätzeInserate von privaten Züchter:innen und Halter:innen; KontaktvermittlungKauf, Versand und Zahlung laufen direkt zwischen den BeteiligtenProfil und Kontaktoptionen der Anbieter:innen prüfen; im Zweifel nachfragen
Fachhandel / Online-ShopsProfessionalisierter Versand; oft Lebendankunft-Garantie; Sortiment; HaltungsinfosTiere teils teurer; Wildfänge möglich; weniger persönlicher AustauschPrüfen, ob Tiere aus Nachzucht stammen; Versandbedingungen und Garantieregelung lesen
TerraristikbörsenTiere vor Ort begutachten; direkter Kontakt; Angebot vor OrtReisekosten und -aufwand; begrenzte TermineArt vorab recherchieren und ggf. bei Züchter:innen vorbestellen; Transportbox mitnehmen; nicht spontan ungeeignete Arten kaufen
Auffangstationen / AbgabenTiere brauchen ein neues Zuhause; oft kostenlos oder gegen SchutzgebührBegrenztes, wechselndes Angebot; Vorgeschichte nicht immer bekanntHaltungsbedingungen und gesundheitlichen Zustand erfragen
Social MediaGroße Reichweite; scheinbar einfachWeniger standardisierte Angaben, weniger Plattformprüfung; Anbieter besonders sorgfältig prüfenAnbieter verifizieren; bei unklarer Herkunft absehen
Tipp: Der Marktplatz von BUGBASE bietet Inserate nach Tiergruppen sortiert — von Mantiden über Phasmiden und Schaben bis zu Springspinnen, Asseln und Schnecken. Eine Übersicht aller Anbieter:innen mit aktiven Inseraten findest du unter Züchter:innen.

Ein gutes Inserat erkennen

Ob ein Inserat seriös ist, erkennst du an der Vollständigkeit der Angaben. Eine Checkliste:

  • Wissenschaftlicher Name genannt (z. B. Phidippus regius, nicht nur „Springspinne")
  • Foto des tatsächlichen Tieres oder Bestands
  • Stadium / Alter / Größe / Geschlecht angegeben, falls bestimmbar
  • Nachzucht oder Wildfang gekennzeichnet, ggf. Informationen zu Zuchtstandards
  • Haltungsdaten genannt oder auf einen Steckbrief verwiesen
  • Futter erwähnt (z. B. Brombeerblätter, Fruchtfliegen, Gemüse)
  • Preis klar angegeben
  • Versand oder Abholung geregelt; Versandbedingungen genannt
  • Herkunftsnachweis oder Dokumente, falls relevant
  • Klarer Kontaktweg und Rückfragebereitschaft

Seriöse Anbieter:innen erkennen

Unabhängig davon, ob du auf dem BUGBASE-Marktplatz, bei einem Online-Shop oder von einer Privatperson kaufst, kannst du seriöse Anbieter:innen an folgenden Eigenschaften erkennen:

  • Sie beantworten Rückfragen zu Art, Haltung, Herkunft und Versand.
  • Sie raten ab, wenn eine Art nicht zu deinen Möglichkeiten passt.
  • Sie nennen Versandfenster und Temperaturgrenzen und verschicken nicht bei Extremtemperaturen.
  • Sie bieten nach Möglichkeit Abholung an.
  • Sie geben Futter- und Eingewöhnungstipps für die erste Zeit.
  • Sie können die Herkunft oder Nachzucht plausibel erklären.
  • Sie kommunizieren Lebendankunft-Bedingungen klar und verständlich.

Recht und Artenschutz

Insekten und Wirbellose sind nicht automatisch rechtlich unkompliziert. Einige Arten stehen unter Artenschutz, sind als invasiv eingestuft oder unterliegen regionalen Beschränkungen. Die folgenden Prüfschritte ersetzen keine Rechtsberatung, helfen aber, die wichtigsten Fragen zu klären.

Artenschutzstatus prüfen

In Deutschland kannst du den Schutzstatus einer Art in der WISIA-Datenbank des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) prüfen. WISIA zeigt an, ob eine Art besonders geschützt (Status b) oder streng geschützt (Status s) ist. Streng geschützte Arten sind immer auch besonders geschützt. Ist eine Art nicht aufgeführt, ist sie wahrscheinlich nicht geschützt. Bei Unsicherheit solltest du bei der zuständigen Behörde nachfragen.

Besonders oder streng geschützte Arten können nicht ohne Weiteres gehandelt oder in Besitz genommen werden. Die Meldepflicht gilt vor allem für lebende Wirbeltiere; bei Wirbellosen muss der Schutzstatus der jeweiligen Art separat geprüft werden. Wenn für eine Art Nachweise oder Bescheinigungen vorgeschrieben sind, müssen diese beim Kauf geprüft und mit dem Tier übergeben werden. Bei Arten des Anhangs A ist für die Vermarktung eine gültige EU-Bescheinigung erforderlich; eine Vermarktung ohne sie ist eine Straftat.

Hinweis: Die folgenden rechtlichen Hinweise beziehen sich vor allem auf Deutschland und EU-Recht. Für Österreich und die Schweiz müssen zusätzlich die jeweils zuständigen Behörden und CITES-/Artenschutzstellen geprüft werden.

Invasive Arten prüfen

Die EU führt eine Unionsliste invasiver gebietsfremder Arten. Arten auf dieser Liste dürfen in der EU nicht gehalten, gezüchtet, verkauft, importiert oder ausgesetzt werden. Die Liste umfasst aktuell 114 Arten, darunter 65 Tierarten. Die vierte Aktualisierung der Liste ist am 7. August 2025 in Kraft getreten. Prüfe vor dem Kauf, ob deine Wunschart auf der Liste steht (Europäische Kommission).

CITES prüfen

Einige Insekten, Spinnen und andere Wirbellose stehen auf den CITES-Appendizes. Der Versanddienstleister DHL Express schließt beispielsweise Sendungen aus, die CITES-geschützte Tiere enthalten. Prüfe den CITES-Status der Art, bevor du kaufst oder versenden lässt.

Niemals aussetzen

Tiere, Eier, Larven oder Substrat dürfen niemals in die Natur ausgebracht werden. Bei invasiven Arten der EU-Unionsliste gelten ausdrückliche Verbote; auch bei anderen Arten kann das Aussetzen naturschutzrechtlich problematisch oder verboten sein. Wer Tiere nicht mehr halten kann, sollte nach einer neuen Halter:in suchen, das Tier über Auffangstationen, Abgabegruppen oder erfahrene Halter:innen oder den BUGBASE-Marktplatz abgeben.

Versand und Transport

Abholung bevorzugen

Wenn möglich, hole Tiere persönlich ab. So kannst du das Tier begutachten, Fragen vor Ort klären und den Transportstress minimieren.

Versandbedingungen

Wenn Versand nötig ist, gelten folgende Grundsätze:

  • Geeigneter Versanddienstleister: Einige Versanddienstleister befördern wirbellose Tiere, sofern der Absender sämtliche Vorkehrungen trifft, die einen gefahrlosen, tiergerechten Transport ohne Sonderbehandlung sicherstellen. CITES-geschützte Tiere sind aber teils vom Versand ausgeschlossen.
  • Expressversand: Mit Express-Versand kann die Bestellung am nächsten Tag ankommen.
  • Versandtage: Tiere sollten früh in der Woche verschickt werden, damit sie nicht über Wochenende oder Feiertage liegen bleiben. Konkrete Versandtage und Annahmebedingungen vorab mit der Anbieter:in klären.
  • Temperaturfenster: Bei Extremtemperaturen (Hitze oder Frost) kann der Versand im Sinne des Tierwohls verschoben werden. Seriöse Anbieter:innen verschicken nicht, wenn die Bedingungen für die Tiere nicht vertretbar sind.
  • Verpackung: Der Versanddienstleister verlangt, dass der Absender alle Vorkehrungen für einen gefahrlosen, tiergerechten Transport trifft; dazu gehören in der Praxis passende Belüftung, Fixierung und Temperaturschutz. Heatpacks oder Coolpacks dürfen nur sachgerecht eingesetzt werden.

Lebendankunft-Garantie (DOA-Regelung)

Eine DOA-Regelung (Dead on Arrival) klärt vorab, was passiert, wenn ein Tier tot oder stark geschädigt ankommt.

Wichtig: Kläre die DOA-Regelung vor dem Kauf mit der Anbieter:in. Nicht jede:r private Züchter:in kann oder will eine Lebendankunft-Garantie anbieten.

Nach dem Kauf

Sobald das Tier angekommen ist, solltest du folgende Schritte beachten:

  1. Sofort annehmen: Lass das Tier nicht im Paket liegen. Nimm es sofort in Empfang und kontrolliere den Zustand.
  2. Zustand dokumentieren: Falls ein Tier geschädigt oder tot ankommt, sofort Fotos machen und die Anbieter:in kontaktieren.
  3. Behutsam einsetzen: Setze das Tier vorsichtig in das vorbereitete Terrarium. Vermeide zusätzlichen Stress.
  4. Futter und Wasser anbieten: Biete Futter und Feuchtigkeit vorsichtig an. Manche Tiere fressen in den ersten Tagen nach dem Transport noch nicht.
  5. Quarantäne: Bei Neuzugängen in bestehende Bestände ist eine Quarantänezeit sinnvoll, um Krankheiten und Parasiten nicht einzuschleppen.
  6. Nicht sofort vergesellschaften: Neue Tiere nicht sofort mit bestehenden Tieren zusammensetzen — besonders bei Arten mit Einzelhaltung oder Kannibalismus-Risiko.

Nachzucht oder Wildfang?

Nachzuchten sind grundsätzlich vor Wildfängen zu bevorzugen. Sie sind an Terrarienbedingungen gewöhnt, tragen keine Parasiten aus dem Freiland und ihre Entnahme belastet keine Wildpopulationen. Wildfänge können gestresst sein, Parasiten oder Krankheiten tragen, und ihre Entnahme kann lokale Ökosysteme beeinträchtigen.

Viele beliebte Anfängerarten werden in Mitteleuropa problemlos nachgezüchtet, darunter die Indische Stabschrecke, die Annam-Stabschrecke, die Madagaskar-Fauchschabe und verschiedene Zierasseln. Auf dem BUGBASE-Marktplatz findest du Inserate von Züchter:innen und privaten Halter:innen, darunter auch Nachzuchten.


Red Flags: Warnsignale beim Kauf

Folgende Signale sollten dich stutzig machen:

Red FlagWarum problematisch?
Kein wissenschaftlicher Name genanntArt nicht eindeutig; Haltungsdaten nicht nachprüfbar
Versand bei Hitze oder FrostTierschutzproblem; hohe Sterblichkeitsgefahr
Anbieter:in beantwortet keine FragenMangelnde Transparenz; Qualität fraglich
Unklare HerkunftMöglicher Wildfang; rechtliche Risiken
Geschützte Art ohne DokumenteRechtswidrig; Straftatbestand möglich

FAQ: Häufige Fragen

Wo kann ich Insekten kaufen?

Insekten und Wirbellose kannst du auf dem BUGBASE-Marktplatz von Züchter:innen und privaten Halter:innen kaufen. BUGBASE vermittelt den Kontakt; Kauf, Versand und Zahlung klärst du direkt mit der Anbieter:in. Alternativ gibt es Fachhändler wie Insektenliebe oder Schaben & Co, Terraristikbörsen und Auffangstationen. Auch über Social Media oder Kleinanzeigen kann man gute Angebote finden, jedoch sind diese ungeprüft und sollten daher von der Käufer:in vor dem Kauf kritisch beurteilt werden.

Woran erkenne ich seriöse Insekten-Züchter:innen?

Seriöse Züchter:innen nennen den wissenschaftlichen Namen, die Herkunft (Nachzucht oder Wildfang), das Stadium und die Haltungsdaten. Sie beantworten Rückfragen, raten bei unpassenden Arten ab, verschicken nicht bei Extremtemperaturen und kommunizieren Versandbedingungen und Lebendankunft-Garantie klar. Auf BUGBASE kannst du die Profile der Züchter:innen und ihre aktiven Inserate einsehen.

Darf man Insekten per Post verschicken?

Ja, unter bestimmten Bedingungen. CITES-geschützte Tiere sind teilweise vom Versand ausgeschlossen. Bei privaten Versandabsendern solltest du Versandweg, Verpackung und Temperaturbedingungen vorab klären.

Welche Insekten eignen sich für Anfänger?

Arten klaren Haltungsangaben und guter Verfügbarkeit eignen sich für Einsteiger:innen. Dazu zählen die Indische Stabschrecke (Carausius morosus), die Madagaskar-Fauchschabe (Gromphadorhina portentosa) und Zierasseln der Gattung Armadillidium. Im Artenlexikon von BUGBASE kannst du für jede Art Schwierigkeit, Temperatur, Futter und Zucht nachschlagen.

Was muss ich vor dem Kauf vorbereiten?

Bevor du ein Tier kaufst, müssen Terrarium, Belüftung, Ausbruchsschutz, Temperatur, Luftfeuchte und Futter stehen. Prüfe im Artenlexikon, welche Bedingungen deine Wunschart braucht. Kaufe kein Tier, bevor das Setup fertig ist. Bei Arten mit Lebendfutterbedarf (z. B. Springspinnen, Mantiden) muss eine Futtertierzucht (z. B. Fruchtfliegen) bereitstehen.

Was tun, wenn ein Tier tot ankommt?

Dokumentiere den Zustand sofort mit Fotos und kontaktiere die Anbieter:in innerhalb der vereinbarten Frist. Kläre die DOA-Regelung vor dem Kauf mit der Anbieter:in, besonders bei privaten Züchter:innen.

Sind Wildfänge problematisch?

Wildfänge können Parasiten oder Krankheiten tragen, sind an Terrarienbedingungen oft nicht gewöhnt und ihre Entnahme kann Wildpopulationen belasten. Nachzuchten sind grundsätzlich vor Wildfängen zu bevorzugen. Viele beliebte Anfängerarten werden in Mitteleuropa problemlos nachgezüchtet und zum Beispiel auf dem BUGBASE-Marktplatz angeboten.

Zusammenfassung

Der Kauf eines Insekts oder Wirbellosen sollte gut vorbereitet sein. Die wichtigsten Prinzipien:

  • Erst Art, dann Tier: Lies den Steckbrief im Artenlexikon, bevor du kaufst.
  • Setup zuerst: Terrarium, Klima und Futter müssen stehen, bevor das Tier einzieht.
  • Anbieter prüfen: Wissenschaftlicher Name, Herkunft, Haltungsdaten und Versandbedingungen sollten klar kommuniziert werden.
  • Nachzucht vor Wildfang: Nachzuchten sind an Terrarienbedingungen gewöhnt und belasten keine Wildpopulationen.
  • Recht prüfen: Artenschutzstatus in WISIA, EU-Unionsliste invasiver Arten und CITES-Status vor dem Kauf prüfen.
  • Versand klären: Versanddienstleister, Versandtage, Temperaturfenster und DOA-Regelung vorab klären.
  • Nach dem Kauf: Sofort annehmen, Zustand dokumentieren, behutsam einsetzen, nicht sofort vergesellschaften.
  • Red Flags ernst nehmen: Kein wissenschaftlicher Name, keine Rückfragen, Versand bei Extremtemperaturen oder fehlende Haltungsdaten sind Warnsignale.

Mit diesen Prinzipien findest du auf dem Marktplatz von BUGBASE oder bei Züchter:innen ein passendes Tier und vermeidest die häufigsten Fehlkäufe.


Quellen

Weiterlesen

BUGBASE Redaktion · Praxisleitfaden, kein Ersatz für artbezogene Steckbriefe. Artenlexikon